Tipps & Tricks / Fotografie

Die perfekte Belichtung / Teil 2: Belichtungsmessung

Die Belichtungs-Messung

Generell hat die Belichtungsmessung die Aufgabe, ein „optimal belichtetes“ Bild zu ermöglichen. Was aber „optimal“ ist, müssen wir immer noch selbst entscheiden. Deshalb gibt es unterschiedliche Arten der Belichtungsmessung, damit wir für bestimmte Fälle entscheiden können, welche Art der Messung für die jeweilige Situation das bester Ergebnis liefert.
Vorweg sei darauf hingewiesen, dass man jede Belichtungsmessung noch selbst beeinflussen und korrigieren kann („Belichtungs-Korrektur“). Theoretisch könnte man auch sagen: mit etwas Erfahrung können mit jeder Messmethode identische Ergebnisse erzielen werden, indem man aktiv korrigierend in die Belichtungsmessung eingreift. Der eigentliche Sinn unterschiedlicher Messmethoden ist also lediglich, mit möglichst wenig oder keiner Korrektur zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
Hierzu ist es notwendig, zu wissen, was mit den verschiedenen Messmethoden erreicht wird.

Grundsätzlich kann man von 4 verschiedenen Messmethoden ausgehen. Die Bezeichnung kann bei verschiedenen Herstellern unterschiedlich sein.

1.) Die Mehrfeldmessung (Canon), gleicht der Matrixmessung (Nikon)

Mehrfeld

 

Dies ist die komplexeste und leistungsfähigste Messmethode.

Die Belichtungsmessfelder (AE-Felder) sind wie eine Matrix nahezu über das gesamte Sucherbild verteilt (je nach Kameramodell zwischen 30 und 70 oder mehr  Felder).

Das Besondere ist, dass  bei dieser Methode auch die Autofokus-Felder (AF-Felder) mit einbezogen werden, indem alles, was scharf gestellt wird, besonders gewichtet wird. Ausserdem messen die AE-Felder nicht nur die Helligkeit generell, sondern auch die unterschiedlichen Farben in ihrer Helligkeit.

Diese Methode eignet sich daher insbesondere für bewegte Motive, bei denen der Autofokus das Motiv verfolgt und sich durch die Bewegung oftmals unterschiedliche Helligkeiten ergeben.

Ebenso geeignet ist diese Messmethode für Aufnahmen mit großen Kontrast-Unterschieden (helles Sonnenlicht) und Gegenlichtaufnahmen.

Es ist die ideale Messmethode für alle Aufnahmen, bei denen es „schnell gehen“ muss, da die Zusammenarbeit zwischen Belichtungsmessung und Autofokus der Kamera eine „zusätzliche Intelligenz“ verleiht.

 

2.) Die Selektivmessung

Selektiv

 

Diese Messung beschränkt sich lediglich auf einen kleinen Kreis in der Mitte des Sucherfeldes (ca. 10% der Fläche) , alle anderen Bildbereiche werden nicht erfasst, egal, wie hell oder dunkel sie sind. Auch der Autofokus spielt hier keine Rolle.

Die Selektivmessung kommt also immer dann in Frage, wenn es darum geht, den wichtigsten Teil des Bildes korrekt zu belichten, auch wenn dabei z.B. der Hintergrund zu hell oder zu dunkel wird. Dies ist oft bei Sportaufnahmen zu finden, oder in der Konzertfotografie, wo z.B. ein Musiker auf einer beleuchteten Bühne abzulichten ist.

Dennoch sei darauf hingewiesen, dass diese Messmethode zu Fehlbelichtungen führen kann, da auch die Helligkeitswerte unterschiedlicher Farben zu Fehlmessungen führen kann, hier insbesondere bei den Farben Rot und Gelb.

 

3.) Die Spotmessung

 

 

Diese Messung funktioniert genau wie die Selektivmessung, nur dass der Messbereich ein noch kleinerer Kreis um die Mitte des Sucherbildes ist, nämlich nur ca. 3% der Fläche. Somit erlaubt diese Messung eine äußerst präzise Messung eines kleinen Bereiches, die allerdings sehr schnell zu Fehlern führen kann, da eine auch noch so kleine Veränderung des Bildausschnittes zu eklatanten Fehlmessungen führt.

Anwendung findet diese Messung immer dann, wenn es sehr schnell gehen muss und sowohl Belichtung , als auch Schärfe des Hauptmotivs „auf den Punkt“ stimmen müssen, wobei die Umgebung weniger wichtig ist. Beispiele: Pressefotografie (Person im Auto), Sportfotografie.

Erwähnenswert ist die hier mögliche Verwendung der „AE-Taste“ (Messwertspeicherung), mit der man zunächst den Messwert des anvisierten Objektes festhält und danach den Bildausschnitt wählt.

 

4.) Die mittenbetonte Integralmessung
Integral

 

Sie entspricht in etwa der Mehrfeldmessung bei aktiviertem mittleren Autofokus-Feld.

Die mittenbetonte Integralmessung geht davon aus, dass sich der bildwichtige Teil des Motivs in der Mitte befindet, und bewertet diesen besonders, allerdings unter Beachtung des restlichen Sucherbereiches.

FAZIT: es gibt nicht „die beste“ Art der Belichtungsmessung, sondern je nach Motiv und beabsichtigter Wirkung muss man die Vor- und Nachteile der Messmethoden kennen, um sie zielsicher einzusetzen. Dazu gehört viel Experimentierfreude und dadurch gesammelte Erfahrung !

 

Auch hier wieder der Hinweis: wem das alles zu theoretisch ist, der sollte sich in einen meiner Workshops für Fotografie eintragen und kann so in praktischen Übungen die entsprechenden Fähigkeiten ausloten.


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Im 3. und letzten Teil zu dieser Serie geht es um die manuelle Belichtungskorrektur, die wir immer dann anwenden, wenn die oben beschriebenen Messungen zu Fehlbelichtungen geführt haben.

Portrait-Retusche Teil 4

Nachdem in Kapitel 1 bis 3 hauptsächlich Haut und Haare „dran“ waren (nachzulesen im Blog-Archiv), kommen wir heute zu:

Augen – Zähne – Lippen

Für diese drei Teilbereiche fallen sehr ähnliche Bearbeitungs-Methoden an, weshalb ich sie hier in diesem Kapitel zusammenfasse.

Bei den Augen geht es darum, das Weiß des Augapfels besser zur Geltung zu bringen, die Iris zu schärfen und evtl. die Augenfarbe herauszuarbeiten oder gar zu verändern.

Für das Augenweiß benutze ich folgende, einfache Methode:

  • Auswahl des weißen Bereiches des ersten Auges mit dem Lasso (ich bearbeite beide Augen getrennt voneinander, damit ich am Ende die Helligkeit auch getrennt steuern kann). Der Auswahl gebe ich per „Auswahl -> Kante verbessern -> weiche Kante“ eine weiche Kante von 3px (variiert etwas mit der Dateigröße des Bildes). Diese Auswahl wird nun kopiert und per Einfügen als neue Ebene über die Arbeitsebene gelegt.
  • Diese neue Ebene wird nun mit „Bild -> Korrekturen -> Farbton/Sättigung“ komplett entsättigt (den Sättigungsregler ganz nach links schieben)
  • Nun wird diese Ebene in den Verrechnungsmodus „Negativ Multiplizieren“ gesetzt.
  • Das Ergebnis ist natürlich extrem zu hell. Ich reduziere also die Deckkraft zunächst ganz auf „0“ und schiebe sie dann langsam wieder höher, bis ich den idealen Wert habe. Wichtig ist, dass man hier nicht übertreibt, da es sonst unnatürlich aussieht (weniger ist auch hier oft mehr !)
  • Nun aktiviere ich wieder die Arbeitsebene und wiederhole diese Schritte mit dem zweiten Auge. Über die Deckkraft passe ich nun die beiden Augen in der Helligkeit so an, dass es mit dem ursprünglichen Licht auch hinkommt – meistens muss ein Auge etwas heller sein, als das andere, wenn das Licht von der Seite kam.

Die Iris wähle ich auch mit dem Lasso und weicher Kante aus und schärfe sie mit „ Filter -> Scharfzeichnungsfilter -> Unscharf Maskieren“. Hier benutze ich meist einen Radius von 0,2 und eine Stärke von 500%.

Zum Ändern der Augenfarbe kann man einfach eine Ebene über die Arbeitsebene legen und diese mit der gewünschten Farbe füllen und ihr dann eine negative Maske geben (Alt-Taste halten und auf das Masken-Symbol klicken). Danach kann man mit einem weichen, weißen Pinsel die Farbe auf die Iris übertragen und sodann die Deckkraft so reduzieren, dass das Ganze natürlich aussieht.

Die Zähne werden ganz genau so  wie das Augenweiß bearbeitet. Kurzform: Auswählen mit weicher Kante, kopieren, einfügen, entsättigen, negativ multiplizieren, Deckkraft verringern.

Bei den Lippen geht es mir hauptsächlich darum, ihnen mehr Ausdruck durch einen stärkeren Kontrast zu geben und die Farbe des Lippenstiftes zu verstärken. Hierzu wähle ich die Lippen mit weicher Kante aus, kopiere sie auf eine neue Ebene und versetze diese in den Verrechnungsmodus „Multiplizieren“, danach auch wieder die Deckkraft entsprechend einstellen.

That’s it – Quick & Dirty !!!

High-Speed-Blitzen, „Super-Sync“

High-Speed-Blitzen, Super-Sync-Blitzen

Sind Sie schon einmal an diese technische „Grenze“ in der Fotografie gestoßen: Sie wollen eine Person oder ein Objekt bei sehr starkem Gegenlicht (Sonne) fotografieren und dies mit offener Blende?

Die „klassische“ Vorgehensweise in solchen Fällen wäre es, die Verschlusszeit so anzupassen, dass der grelle Gegenlicht-Hintergrund (z.B. Himmel) richtig belichtet ist. Dabei kommen ohne weiteres Verschlusszeiten von tausendstel Sekunden zustande. Und das im Gegenlicht stehende Objekt wird zur schwarzen Silhouette ! Ein Dauerlicht zur Aufhellung müsste einige 1000 Watt Leistung bringen, um gegen das starke Sonnenlicht „anzukommen“. Eine Aufhellung mit einem eingebauten Kamerablitz oder einem Systemblitz ist zwar möglich, diese Blitze liefern aber nicht genügend Blitzleistung und sind bestenfalls noch für sehr nahestehende Objekte brauchbar. Es wäre also sinnvoll, hier die Kraft eines Studio-Blitzgerätes zu nutzen. Leider funktionieren diese standardmäßig aber nur bis zu der kameraseitig limitierten „Synchronzeit“ (sh. weiter unten).

Ein Lösungs-Ansatz wäre es, die „Synchronzeit-Bremse“ irgendwie zu eliminieren. Diese Vorgehensweise wird „Super-Sync-Blitzen“ genannt und hat stark „experimentellen Charakter“, wie wir im Weiteren feststellen werden.
Um in diese Thematik einzusteigen, muss man zunächst drei technische Zusammenhänge „durchschauen“, nämlich einmal die Arbeitsweise des Kamera-Verschlusses (Schlitzverschluss), zum anderen die „Blitzsynchron-Zeit“ und drittens die Abbrenndauer eines Blitzes.

1) Der Verschluss

Üblicherweise sind in die meisten Spiegelreflexkameras Schlitzverschlüsse eingebaut. Diese bestehen aus zwei „Vorhängen“, die zeitlich versetzt von oben nach unten über den Sensor wandern.
Beim Auslösen der Kamera setzt sich der erste Vorhang in Bewegung und öffnet so dem Licht den Durchgang zum Sensor. Nach Ablauf der gewählten Verschlusszeit setzt sich der zweite Vorhang in Bewegung und verschließt von oben nach unten wieder den Lichtzugang.
Bei längeren Verschlusszeiten ist der erste Vorhang nach der Auslösung komplett geöffnet und der zweite Vorhang verschließt irgendwann alles wieder. Bei kürzeren Verschlusszeiten wird irgendwann der Punkt erreicht, wo der erste Vorhang noch nicht ganz „unten“ angekommen ist, sich der zweite Vorhang aber bereits in Bewegung setzt. Es bildet sich also ein Ausschnitt zwischen den beiden Vorhängen, der nun von oben nach unten wandert und das Licht für den Sensor freigibt. Je kürzer die gewählte Verschlusszeit, desto schmaler ist dieser streifenförmige Ausschnitt. Und genau hier liegen die physikalischen Grenzen des Verschlusses: sehr gute Kameras können so eine Belichtungszeit von 1/8000sec und kürzer realisieren.

2) Unter Blitz-Synchronzeit (auch als X-Sync bezeichnet) ist die kürzest mögliche Zeiteinstellung für den Verschluss zu verstehen, bei der der Sensor noch komplett freigelegt ist, bevor der zweite Vorhang in Bewegung gerät. In diesem Moment des vollkommen offenen Sensors wird der Blitz gezündet. Logischer Weise sind längere Verschlusszeiten somit problemlos möglich. Stellt man aber eine kürzere Zeit ein, so verdeckt der zweite Verschlussvorhang bereits einen Teil der Sensorfläche, bevor der Blitz „zündet“, es entsteht also ein dunkler Rand am oberen Ende des Bildes, der umso größer wird, je kürzer die Verschlusszeit gewählt wurde. Bei guten Kameras liegt diese Synchronzeit bei 1/250 sec.

Die folgenden Abbildungen machen diese Vorgänge deutlich.

Abb.1 für Verschlusszeiten, die länger oder gleich der x-Synchronzeit sind

Verschluss1

1 = Verschluss geschlossen, Sensor verdeckt
2 = erster Vorhang öffnet von oben nach unten
3 = erster Vorhang geöffnet, Sensor liegt komplett frei
4 = zweiter Vorhang läuft von oben nach unten
5 = zweiter Vorhang hat den Sensor wieder vollkommen verdeckt, Verschluss ist geschlossen.

Abb. 2 für Verschlusszeiten, die kürzer als die X-Synchronzeit sind:

Verschluss2

1= Verschluss geschlossen, Sensor verdeckt
2= erster Vorhang öffnet von oben nach unten
3 = zweiter Vorhang läuft von oben nach unten, bevor der erste Vorhang ganz unten ist.
4 = erster Vorhang ist unten, zweiter Vorhang ist fast unten
5 = zweiter Vorhang hat den Sensor wieder vollkommen verdeckt, Verschluss ist geschlossen.

3) Die Abbrenndauer ist bei verschiedenen Blitzgeräten unterschiedlich kurz. Man kann feststellen, dass sie bei teuren Blitzgeräten sehr viel kürzer ist, als bei billigeren.
Genau hier setzt die Problematik des „Super-Sync“-Blitzens ein. Ist der Blitz bereits abgebrannt, bevor der Schlitz des Verschlusses die gesamte Sensorfläche überstrichen hat, bleibt ein Teil des Sensors unbelichtet.
Es gilt also, die Abbrenndauer eines Blitzes soweit wie möglich zu verlängern!
Ein Systemblitz, der mit der „High-Speed“-Funktion ausgestattet ist, macht das so: er zündet, die Abbrennkurve kommt nach kurzer Zeit an ihrem Höhepunkt an und kurz nachdem sie anfängt, wieder abzufallen, zündet der Blitz erneut. Das ist ähnlich, wie bei einem Stroboskop-Blitz – mit dem Unterschied, dass die Abbrennkurve nicht auf „Null“ abfällt und dann wieder neu gezündet wird, sondern sie bleibt im oberen Bereich und wird immer wieder neu gezündet, wenn sie abfällt – und das so lange, wie der Schlitz des Verschlusses unterwegs ist – es wird also Licht auf jeden Bereich des Sensors kommen, auch bei kürzesten Verschlusszeiten – es ist eine Art (pulsierendes) Dauerlicht über den gesamten Ablauf des Verschlussvorganges.. Leider geben die Systemblitze aber in diesem Modus nur eine sehr begrenzte Blitzleistung ab und wenn man bedenkt, dass von dem abgegebenen Licht nur das zur Wirkung kommt, welches durch den schmalen Schlitz des Verschlusses kommt (der Rest „verpufft“ am Vorhang selbst), dann wird klar, dass diese Ausbeute nicht wirklich wirkungsvoll und ausreichend ist und bestenfalls sehr naheliegende Objekte erreichen kann.
Viel besser wäre es also, wenn man die sehr viel höhere Leistung eines Studioblitzes nutzen könnte – dieser hat aber den Nachteil, dass er kein pulsierendes Dauerlicht zur Verfügung stellen kann und deshalb nur bis zur Synchronzeit „funktioniert“.
Ab hier bewegt man sich im „experimentellen“ Bereich und kommt nicht umhin, Versuche zu machen, wobei man sehr schnell feststellt, dass die Methode bei einigen Verschlusszeiten funktioniert, bei anderen aber wieder nicht! Und es gibt keine „Rezepte“ für bestimmte Kamera-Blitz-Kombinationen, weil selbst baugleiche Produkte gewissen Toleranzen unterliegen und wir müssen uns klarmachen, dass diese Toleranzen durchaus größer sind, als die Parameter, die notwendig sind, um diese „Überlistung der technischen Gegebenheiten“ zu bändigen. Mit anderen Worten: selbst mit zwei gleichen Kameramodellen und zwei gleichen Blitzen wird es unterschiedliche Ergebnisse geben! Jeder Fotograf muss also mit seiner ureigenen Ausrüstung experimentieren, bei welchen Verschlusszeiten und bei welchen Leistungseinstellungen des Blitzes zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen sind.
Ein wesentliches Hindernis ergibt sich durch die Tatsache, dass ein Studio-Blitz – ausgelöst durch einen herkömmlichen Funkauslöser über den Mittenkontakt des Blitzschuhs der Kamera erst zündet, wenn die Kamera „bereit“ ist, also den Verschluss in Bewegung setzt. Dies ist aber viel zu spät fürs Super-Syncen: die Leistungskurve hat ihren Höhepunkt bereits erreicht und befindet sich auf dem stark abfallenden Teil, es würde also ein zu starker Helligkeitsverlauf entstehen (mehr als 2 Blenden übers Bild verteilt). Abhilfe würde es schaffen, wenn man den Studio-Blitz über seinen optischen Sensor mit dem „Messblitz“ eines Aufsteckblitzes zündet und so dafür sorgt, dass der Studioblitz bereits zündet, bevor sich der Verschluss in Bewegung setzt. Nun befindet sich der Abbrennvorgang in der auslaufenden Phase, deren Kurve schon sehr viel flacher ist. Hierbei ist man jedoch sehr eingeschränkt durch die Lichtverhältnisse und Entfernungen. Eine weitere Möglichkeit bietet die Auslösung des Studioblitzes über die PC-Buchse eines Funkauslösers, der über diesen Weg ebenfalls das Signal des Messblitzes sendet. Mir ist zur Zeit nur ein Funkauslöser (für Canon) bekannt, der dies zuverlässig realisiert: der Yongnuo YN622. Dieser gibt das Signal über die PC-Buchse entsprechend des Signals für Vorblitze aus und dieses Signal reicht aus, um den Studioblitz zu zünden. Der YN622 ist ein „Transceiver“ – man benötigt also zwei davon, einen als Sender auf dem Blitzschuh der Kamera und einen als Empfänger, der über seine PC-Buchse mit dem Blitz verbunden wird.
Als Studio-Blitz kommen hauptsächlich „billige“ Studioblitze in Frage (z.B. Walimex), wegen der langen Abbrenndauer dieser Geräte. Ein „Porty“ (mobile Blitze haben i.d.R. längere Abbrenndauern als andere) wäre z.B. der Jinbei FL500, der ebenfalls lange Abbrenndauern hat.
Es geht nun darum, experimentell herauszufinden, welche Verschlusszeit mit der Abbrenndauer des Blitzes noch zu einer vernünftigen Belichtung führt und sich diese Werte dann zu notieren oder zu merken. Man kann hier keine Vorgaben machen, da jeder Blitz eine individuelle Abbrennkurve hat und auch die Kameraverschlüsse (selbst bei gleichen Modellen!) einige Toleranzen haben. Was man aber sagen kann ist, dass es umso besser funktioniert, desto länger die Abbrenndauer ist – mit anderen Worten: ein billiger Studioblitz (lange Abbrenndauer) hat größere Möglichkeiten, als ein teurer (kurze Abbrenndauer) !

 

Abbrenn1
Beispiel 1: Abbrennkurve eines guten Studioblitzes. Der graue Bereich ist der Zeitraum, den der Schlitz des Verschlusses benötigt, um den ganzen Sensor zu überstreichen. Die schnelle Abbrenndauer führt zu einem starken Lichtabfall.

Abbrenn2
Beispiel 2: Eine längere Abbrenndauer hat in dem grauen Bereich einen flacheren Abfall und führt schon zu akzeptabler Lichtverteilung.

Abbrenn2
Beispiel 3: Eine sehr langsame Abbrennkurve führt zu einem wesentlich gleichmäßiger ausgeleuchteten Bild, die Kurve ist über den Belichtungszeitraum fast konstant.



Abschließend einige Ergebnisse meiner eigenen Testreihen zu dem Thema:

Zunächst habe ich einige Versuche im Studio gemacht mit einer EOS 5DIII, einem 50mm/1,2 – Objektiv, zwei Transceivern Yongnuo 622 und einem Walimex 260K. Dann mit einem älteren portablen Blitzgerät von Profoto (B2) und einem Profoto Pro-Head B2. Um es vorwegzunehmen: in beiden Fällen hatte ich brauchbare Ergebnisse bis 1/8000 sec bei ISO 50 und F=1,2 !
Im Detail:


Aufnahme 1:  mit einem Blitz aus 2m Entfernung von oben links mit 1/1 Leistung (260WS), Standardreflektor ohne Softbox. Das Bild wurde vor einer weißen (!) Wand gemacht, die ca 3m hinter dem Model steht. Das Histogramm zeigt eine ausgewogene Verteilung von Lichtern und Schatten.

Aufnahme 2: zusätzlich Aufhell-Reflektor von rechts. Im Histogramm sehr schön zu sehen, wie der „Tiefenberg“ etwas weiter gestreckt und flacher wird, also die Mitteltöne etwas mehr Zeichnung bekommen haben.

Zum Abschluss noch zwei Aufnahmen mit dem Profoto-B2, der ebenfalls in allen Bereichen von 1/20sec bis 1/8000sec Verschlusszeit funktionierte:


Aufnahme 3: mit Profoto B2, ein Blitzkopf, auf ½ Leistung.
Lichtsetzung jetzt in Gesichtshöhe von 20° links, es fiel also noch Licht auf den ca 3m entfernten weißen Hintergrund.

Aufnahme 4: mit ½ Blitzleistung, diesmal mit 1/200sec.
Histogramm schon fast „ideal“.
Der Lichtabfall von links nach rechts deutet auf eine kürzere Abbrenndauer des Blitzes hin (im Vergleich zu den Walimex

Die gezeigten Testaufnahmen sollen lediglich „unter Beweis stellen“, dass es durchaus möglich ist, Verschlusszeiten jenseits der Synchronzeit – ja bis hin zum Limit des Kameraverschlusses – zu ermöglichen und somit mit offener Blende und ISO 50 alle Limits seitens der Kamera auszureizen und dennoch vernünftig belichtete Bilder zu erzielen.
In welchen Situationen dieses Wissen hilfreich ist, soll Thema eines anderen Workshops sein, in dem diese Technik Outdoor bei krassem Gegenlicht und sich bewegenden Objekten ausprobiert wird.

Besser Blitzen

Praxis-Tipps Fotografie

Tip1

Kennen Sie die Situation: auf einer Feier oder in einer Disco oder Bar/Kneipe wollen Sie eine Aufnahme von einer Person machen. Das vorhandene Kunstlicht allein reicht nicht aus. Also packen Sie den Aufsteckblitz auf die Kamera und los geht’s – dank „P“-Modus an der Kamera alles vollautomatisch. Doch wie sieht das Ergebnis aus???

Natürlich ist Ihr Motiv, also die Person im Vordergrund perfekt belichtet – hier hat die Vollautomatik ihr bestes gegeben. Sie ist nämlich in der Tat so programmiert, dass sie lediglich das Hauptmotiv im Bildvordergrund optimal belichtet.  Aber was ist mit dem gesamten Hintergrund? Viel zu dunkel, ja teilweise im Schwarz „abgesoffen“ ! Der Vordergrund ist bläulich weiß gefärbt, wie Tageslicht – der Hintergrund ist realistisch rötlich gelb, wie nun mal das Kunstlicht aussieht. Was können wir hier tun, um eine ausgewogenere Belichtung von Vorder- und Hintergrund zu bekommen?

Wir müssen die Vollautomatik abschalten: dies geschieht, indem wir auf einen der Modi „M“ (Manuell), „AV“ (Blendenvorwahl) oder „TV“ (Zeitvorwahl) schalten. Damit geben wir der Kamera das Signal: wir wollen uns um die Belichtung selber kümmern. Nun wird wieder das gesamte Bild für eine Belichtungsmessung herangezogen. Stellen wir beispielsweise mal „TV“ ein, so können wir eine Belichtungszeit selbst auswählen, die Kamera wählt die hierzu passende Blende und der Blitz leuchtet bei der Aufnahme nur noch ganz schwach, praktisch als leichter Aufheller des Vordergrundes. Welche Belichtungszeit stellen wir ein? Nun, man könnte fast sagen, das ist egal! Wieso denn das, werden Sie jetzt fragen!

Hierzu muss man wissen, dass JEDE Blitzaufnahme eigentlich eine Doppelbelichtung ist. Wenn ich den Auslöser drücke, öffnet sich der Verschluss für die eingestellte Zeit (Belichtung Nummer 1) und gleichzeitig zündet der Blitz (Belichtung Nummer 2). Die Zünddauer eines Aufsteck-Blitzes ist dabei nur einige 1000stel Sekunden lang – in dieser Zeit beleuchtet der Blitz mein Motiv im Vordergrund mit ausreichend Licht. Bis die eingestellte Zeit für den Verschluss abgelaufen ist, kommt aber das Licht des Hintergrundes ins Bild.

Wenn wir also eine relativ kurze Belichtungszeit einstellen, z.B. 1/60stel Sekunde, dann wird der Hintergrund ziemlich scharf abgebildet, da keine Bewegungsunschärfe durch Verziehen der Kamera entsteht. Stellen wir eine sehr lange Belichtungszeit ein, z.B. 1sec, so wird der Hintergrund verwackelt bis verschwommen. Und unser Vordergrundmotiv? Das bleibt in beiden Fällen gestochen scharf, falls wir auf dieses fokussiert haben, weil ja die Belichtungszeit des Vordergrundes nur einige 1000stel Sekunde betrug. Probieren Sie es aus – es ergeben sich Bilder, die im Hintergrund UND im Vordergrund gut belichtet sind.

Was aber mit dem Farbunterschied? Noch immer ist der Vordergrund „Tageslicht“ und der Hintergrund „Kunstlicht“. Schuld daran ist die unterschiedliche Farbtemperatur des Blitzlichtes (kühl ~5500 Grad Kelvin ) und des Kunstlichtes (warm ~2800 Grad Kelvin)*. Diese Mischlicht-Situation klären wir folgendermaßen: wir kleben vor das Blitzlicht eine (gelbe) Folie, die die Farbtemperatur des Blitzes „abkühlt“ in Richtung Kunstlicht. Das Bild wird nun gelbstichig, sowohl Vorder-, als auch Hintergrund haben die gleiche Farbtemperatur, das Licht hat den Charakter des Kunstlichtes.

Wem dieses gelblich-rötliche Licht nicht gefällt, der kann jetzt den Weißabgleich der Kamera noch auf „Kunstlicht“, oder halt ca. 2800 Grad Kelvin stellen und bekommt dadurch eine Lichtwirkung, die wieder insgesamt mehr dem Tageslicht ähnelt.

Abschließend habe ich diese Technik noch etwas weiter getrieben und sie auch bei Außenaufnahmen bei normalem Tageslicht angewandt. In dem Ergebnis des Portraits sieht man, dass das Hauptmotiv noch etwas unscharf wurde, der Grund ist, dass während der langen Belichtungszeit noch genügend viel Umgebungslicht auf das Hauptmotiv kommt, so dass die Wirkung der kurzen Blitzbelichtung etwas unterdrückt wird. Dennoch ist der Unterschied zwischen dem extrem „verzogenen“ Hintergrund und dem noch relativ unbewegten Hauptmotiv deutlich erkennbar. Bei dem zweiten Bild handelt es sich nicht um ein Verziehen der Kamera, sondern um die Bewegung des Zooms, welches während der Belichtungszeit von 1 sec von vollem Weitwinkel auf volles Tele gefahren wurde.

TF1 TF2

( Die Bezeichnung  Grad Kelvin (°K) ist 1967 abgelöst worden durch die Bezeichnung Kelvin. Der Nullpunkt der Kelvin-Skala entspricht dem sogenannten absoluten Nullpunkt, der in Grad Celsius bei minus 273,16 Grad Celsius liegt. Auch die Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben. Sie ist in der Fotografie und zur Charakterisierung von Lichtquellen wichtig. )